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OÖ. Blinden- und Sehbehindertenverband

Gemeinsam neue Wege gehen


Für den besten Freund die beste Ernährung

Gerade für uns Sehbehinderte ist es besonders wichtig, auf die Gesundheit und Vitalität unseres Hundes zu achten, ist er doch nicht nur unser Freund, sondern auch unser Wegbegleiter, der uns sicher an unsere Ziele bringen soll.
Eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Gesundheit, ist eine gesunde Ernährung, über die wir Ihnen in der Folge wichtige Tipps geben wollen:

Was braucht der Hund?
Da der Hund ein Karnivore, also ein Fleischfresser ist, benötigt er vorwiegend Proteine (Eiweiß) aus tierischer Herkunft (Fleisch, Innereien) für sein Wachstum und zum Aufbau und der Erhaltung seiner Organe, Muskulatur, Haut und Fell.
Hochwertige Fette mit einem Gehalt an gesättigten, vor allem aber ungesättigten Fettsäuren zur Bereitstellung von Energie.
Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente vorwiegend aus Obst Gemüse und Kräutern.
Und einen geringen Anteil an Kohlenhydraten z.B. aus Reis. Kartoffeln oder Nudeln.

Was braucht der Hund nicht?
Tierische Nebenerzeugnisse wie Hörner, Bindegewebe, Sehnen, Haut, Urin, Mägen, Därme, Fell, Federn usw.
Getreide wie Mais, Weizen, Gerste, Hafer, Hirse, Roggen, Dinkel usw.
Pflanzliche Nebenerzeugnisse wie Reste aus der Getreideverarbeitung wie Maiskolben, Stroh, Cerealien, Zelluloseabfälle, Nuss- und Erdnussschalen, Zuckerrübenabfälle usw.
Kochsalz, Zucker, Karamel, Grieben, Fleischmehl, Chemische Zusätze, künstliche Farbstoffe, synthetische Vitamine, Konservierungsmittel, Geschmacks- und Lockstoffe usw.

Wie können wir unseren Hund nun mit den notwendigen Nährstoffen versorgen?
Ist doch nichts leichter als das, denken wir. Die Werbung suggeriert uns doch auf Schritt und Tritt, dass das Fertigfutter, das uns von Diskontern über Baumärkte bis zu hin zu den Tierhandlungen und einschlägigen Megamärkten abgeboten wird, das Beste ist, womit wir unsere Hunde versorgen können.
Leider ist die Fertigtierfutterproduktion in der heutigen Zeit bereits eine riesige Industrie geworden, mit Umsätzen in Milliardenhöhe. Die Ausgangsprodukte und das Futter selbst wird um den ganzen Erdball transportiert. Es vergehen mitunter Monate, bis ein geschlachtetes Lamm aus Neuseeland, Rindfleisch aus Argentinien, Seelachs aus Alaska usw. über den Umweg zu den Produzenten in Amerika, China oder Australien, endlich in den Regalen unserer Supermärkte und dann im Napf unseres Hundes landet. Glauben Sie wirklich, dass dies noch artgerechtes Futter für unsere Hunde ist?

Der Idealfall wäre es, wenn der Hund, so wie sein Vorgänger der Wolf, sich selbst seine Beute fangen könnte. Dass dies in der heutigen Zeit natürlich nicht möglich ist, braucht nicht extra erwähnt zu werden. Wir haben aber trotzdem einige Möglichkeiten, unsere Tiere trotzdem artgerecht und gesund ernähren zu können. kommen.

Die erste und natürlichste Ernährungsform wäre die Rohfütterung.
Sie wird zwar von vielen (auch von Tierärzten) abgelehnt, sie kommt der natürlichen Ernährung des Hundes aber am nächsten. Die wertvollen Nährstoffe aus dem rohen Fleisch, dem Fleischsaft, dem Blut und den Innereien, sowie die natürlichen Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine samt Vitalstoffen vom Obst, Gemüse und den Kräutern passen ganz genau für den Stoffwechsel des Hundes. Übrigens, die Geschichte, dass ein Hund von rohem Fleisch „scharf“ werden soll, ist tatsächlich nur ein Märchen..
Eine Tagesration für Ihren Hund besteht aus etwa 50% - 70% rohem Fleisch und 30% bis 50% frischem Obst und Gemüse, Kräuter und einen kleinen Anteil von Reis oder Kartoffeln (beides natürlich gekocht). Als Zusätze kann man noch wertvolle, kaltgepresste Öle, Yoghurt, Käse, Rahm oder ähnliches, je nach dem Geschmack Ihres Hundes beifügen.
Obst, Gemüse, Kräuter, Reis und Kartoffeln sollten mit den oben genannten Zusätzen möglichst fein püriert, und dem Hund gemeinsam mit dem Fleisch verabreicht werden.
Als Tagesbedarf rechnet man etwa 2% – 3% vom Körpergewicht Ihres Hundes.
Das heißt, ein Hund mit 30 kg, benötigt täglich etwa 300g bis 600g Fleisch (Rind, Geflügel, Pute, Lamm, Wild – aber KEIN Schwein!!) und 200g bis 450g von der oben beschriebenen pürierten Mischung.

Wenn für Sie, aus welchen Gründen auch immer, Rohfütterung nicht in Frage kommt, wäre die zweitbeste Möglichkeit, einen Hund möglichst naturnah zu füttern, ein hochwertiges Dosen-Nassfutter.
Hochwertiges Nassfutter wird schonend in der geschlossenen Dose gegart, dass ein Grossteil der empfindlichen natürlichen Vitamine erhalten bleiben.
Wie können Sie nun unterscheiden, ob sich in der Dose ein wertvoller oder ein minderwertiger Inhalt befindet?
Auf dem Etikett jeder Dose muss der Inhalt der Dose, unter dem Punkt „Inhaltsstoffe“ oder „Zusammensetzung“, genau deklariert sein.
Finden Sie dort „Muskelfleisch“, „Gemüse“, „Kräuter“, „Reis“ und das alles ohne Konservierungsstoffe und zugesetzte synthetische Vitamine, können Sie davon ausgehen, dass der Inhalt hochwertig ist. Ein Hund mit rund 30 kg benötigt von einem solchen Futter rund 600g bis 800g pro Tag.
Finden Sie dort aber „tierische Nebenerzeugnisse“, „pflanzliche Nebenerzeugnisse“ oder andere/ähnliche, wie unter dem Punkt „Was braucht der Hund nicht“ angeführte Begriffe, so können Sie davon ausgehen, dass der Inhalt dieser Dose minderwertig ist. Von ganz minderwertigen Produkten, wie man sie in den Supermärkten bekommt, braucht ein Hund mit 30 kg rund 2 kg und mehr pro Tag, um auf die benötige Nährstoffmenge zu kommen.

Wenn für Sie, aus welchen Gründen auch immer, sowohl Rohfütterung als auch Dosenfütterung nicht in Frage kommt, bleibt nur noch das Trockenfutter.
Dies ist die einfachste Form der Fütterung, sie hat aber mit natürlicher Ernährung von Hunden nicht mehr wirklich viel gemeinsam.
Man muss vor allem darauf achten, dass der Hund eine genügend große Menge Wasser zu sich nimmt, damit sein körpereigener Wasserhaushalt durch diese Fütterungsart nicht gestört wird. Die daraus resultierenden Nierenprobleme erkennt man in der Regel erst dann, wenn es bereits zu spät ist.
Trotzdem ist es eine Tatsache, dass ein Großteil der Hunde mit Trockenfutter gefüttert wird.
Wie finden Sie nun das richtige Trockenfutter für Ihren Hund?
Es gibt unzählige verschiedene Sorten von Trockenfutter und auf jedem Sack steht in großen Buchstaben, warum gerade dieses Futter das beste für Ihren Hund sein soll. Da gibt es Futtersorten für Welpen, für junge Hunde, für erwachsene Hunde, für ältere Hunde und für ganz alte Hunde. Dann gibt es Futtersorten für jede der oben genannten Altersstufen für Hunden kleiner Rassen, mittlerer Rassen, großer Rassen und sehr großer Rassen. Und als Gipfelpunkt der Konsumenten-Verunsicherung gibt es dann noch „Spezialfutter“ für jede einzelne Hunderasse, natürlich ebenfalls streng abgegrenzt in spezielle Sorten für jede einzelne Altersstufe.
Dazu fällt mir nur eine einzige Frage ein:
Wenn ein Hund einen Hasen gewildert hat (was er ja nicht darf, aber nehmen wir das einmal an). Wie weiß der Hund jetzt, ob das ein Hase für junge, für erwachsene oder für alte Hunde ist, oder ob der Hase für kleine Hunderassen, mittlere oder große Hunderassen geeignet ist, oder ob dieser Hase gar nur von einem Terrier, einem Westie, einem Labrador, einem Schäfer oder einem Riesenschnauzer gefressen werden darf?
Das ist für den Hund und wohl auch für des Frauerl oder Herrl, eine unlösbare Frage. Für die Futtermittelindustrie ist es jedenfalls besser, wenn der Hund das Trockenfutter aus den farbigen Säcken, genau für seine Rasse und für sein Alter frisst….!
Wie können Sie nun den „Trockenfutter-Dschungel“ lichten?

Als erstes müssen Sie die Entscheidung treffen, nach welchem Verfahren das Trockenfutter, das Sie Ihrem Hund geben wollen produziert wurde.

Man unterscheidet zwischen 2 Produktionsarten:

1; Das mit Abstand größte Angebot findet man im Bereich „Extrudiertes Futter“
Diese Produktion erfolgt so, dass alle Inhaltsstoffe (auf deren Qualität kommen wir später zu sprechen) zusammengemischt werden. Diese Mischung wird im „Extruder“ hoch erhitzt und mit hohem Druck durch Öffnungen gepresst, die den Brocken die gewünschte Form geben. Da durch die hohen Temperaturen die Vitamine und Nährstoffe dieser Mischung praktisch zerstört wurden, wird auf die fertigen Brocken ein Fett/Öl-Gemisch mit synthetischen Vitaminen, chemischen Zusatzstoffen und oft auch Geruchs- und Geschmacksstoffen gesprüht.
Extruderfutter ist großporig und relativ leicht, so ähnlich wie Popkorn. Es quillt in Flüssigkeiten bis auf das 4-fache seines Volumen auf. Der Hund benötigt eine große Menge Wasser, damit sein Wasserhaushalt nicht gestört wird.

2; Ein wesentlich kleineres Futterangebot gibt es beim sogenannten „Kaltpressverfahren“
Dieses Verfahren ist wesentlich aufwändiger, da einige Produkte, wie Fleisch, Reis oder Kartoffeln, vorgegart werden müssen. Nach dem Abkühlen dieser Bestandteile werden sie mit den restlichen (rohen) Inhaltsstoffen des Futters zusammengemischt und in Form gepresst, wobei die Temperatur beim Pressvorgang auf maximal 45°C ansteigt. Das hat den Vorteil, dass Vitamine, Vital- und Mineralstoffe nicht zerstört werden und in ihrer Originalform im Futter erhalten bleiben. Bei manche Sorten werden noch zusätzliche synthetische Vitamine zugefügt, es gibt aber bereits einige wenige Sorten, die auf jegliche chemische und synthetische Zusätze verzichten.
Kaltpressfutter ist sehr kompakt und relativ schwer. Es quillt im Wasser nicht auf sondern zerfällt ziemlich rasch in seine einzelnen Bestandteile. Es aktiviert durch seine natürlichen Bestandteile die Darmaktivität und sorgt in der Regel für festen Stuhl.

Die nächste Entscheidung ist dann schon wesentlich schwieriger. Sie müssen wählen, ob Sie Ihrem Hund hochwertiges, oder minderwertiges Futter füttern wollen, wobei dafür nur in den seltensten Fällen der Preis ein aussagefähiges Kriterium darstellt.

Wie erkennen Sie nun die Qualität des Futters, für das Sie sich entscheiden wollen?
Wie beim Dosenfutter, müssen auch auf jedem einzelnen Sack die Inhaltsstoffe, aus denen das Futter besteht, unter „Zusammensetzung“ oder „Inhaltsstoffe“  deklariert werden.
Diese Angaben sind für den einfachen Konsumenten allerdings wesentlich schwieriger zu entziffern, da im Trockenfutter eine Unzahl von Füllstoffen enthalten ist, die alle in der Deklaration aufscheinen müssen. Entscheidend sind jeweils die ersten 5 oder 6 Inhaltsstoffe, da die Reihenfolge, in der sie in der Deklaration aufscheinen, der Menge nach absteigend, angeführt sein müssen.

Sie können grundsätzlich davon ausgehen, dass diejenigen Produkte, die „tierische“ und „pflanzliche“ Nebenerzeugnisse angeführt haben, zu den minderwertigen Sorten zählen.

Sie können weiter davon ausgehen, dass auch diejenigen Produkte zu den minderwertigen gehören, die Inhaltsstoffe aus dem Bereich „Was braucht der Hund nicht“ (siehe oben) angeführt haben.

Wenn einzelne Inhaltsstoffe mehrfach in der Deklaration aufscheinen (z.B.: Weizen, Weizenmehl, Weizengrieß, Vollkornweizen), kann man davon ausgehen, dass die Summe dieser Anteile in diesem Futter überwiegen, Weizen also an erster Stelle stehen müsste.

Auch bei der Deklaration des Fleischanteiles gibt es Tricks, mit der die Produzenten die tatsächliche Qualität des Fleischanteiles verschleiern können. Hier einige Beispiele:
Die beste Deklaration ist „Trockenfleisch vom Rind (oder Huhn, Pute, Wild…) oder z.B. Rindfleischmehl. Bei dieser Deklaration kann man davon ausgehen, dass auch tatsächlich „Fleisch“ verwendet wurde

Bei der Deklaration „Rindermehl“, „Hühnermehl“ usw. handelt es sich nicht um getrocknetes Fleisch, sondern um das ganze Tier, getrocknet und gemahlen. Also inklusive Federn, Hörner, Darminhalt usw. (zumeist aus Tierkörperverwertungen)

Noch schlechter ist die Deklaration „Tiermehl“ bei der nicht einmal die Tierart deklariert wird, die in dem Futter enthalten ist. Kommt ebenfalls aus dem großen Trichter der Tierkörperverwertungen.

Die Deklaration „Frisches Rindfleisch (min. 50%) soll suggerieren, dass ein hoher Fleischanteil in dem Futter enthalten ist. Die Wahrheit ist, dass hier der Fleischgehalt vor der Trocknung angegeben wurde, was vom Gesetz her erlaubt ist. Beim Trocknen verliert das Fleisch rund 70% Feuchtigkeit und damit natürlich auch Gewicht, der tatsächliche Anteil im Trockenfutter reduziert sich somit auf rund 15%.

Diese Liste der Gestaltungsmöglichkeiten bei der Deklaration von Trockenfutter könnte man noch beliebig lang fortsetzen, da der diesbezügliche Erfindungsgeist der Produzenten unbegrenzt erscheint. Ich glaube aber, Sie wissen jetzt, worum es beim industriellen Fertigfutter wirklich geht und wünsche Ihnen viel Glück, dass Sie für Ihren treuesten Freund und Wegbegleiter die richtige Auswahl treffen.